Gigs 2010

Bar-Festival, Schwarzenburg, 26.6. 20 Uhr

Keltenfest, Guggisberg,
20.8. 20 Uhr

Herzogstrassenfest, Bern
4. September

 

aktualisiert: 19.Mai
(Wanja Rafael wird 20-jährig!!!)

Als der Junge sein fünfzehntes Lebensjahr erreicht hatte, befand Sanfter Wolf, dass er nun genügend gestählt sei, einen Drei-Häute Mantel zu tragen.
Gewöhnlich erfolgte die Herstellung eines Kleidungsstückes aus Fell oder Leder nach den Gesetzen der „Hautvermählung“. Eine männliche Haut musste immer mit einer weiblichen gepaart werden. Zu diesem Behufe gerbte man beide Leder gemeinsam, dann hing man sie Seite an Seite mehrere Tage zum Trocknen auf, und erst nach dieser Verlobungszeit durfte man sie mit der geweihten Nadel und dem geweihten Faden zusammennähen. Auf dass die Verbindung eine glückliche werde, sang man während der gesamten Zeremonie des Nähens, dabei lobte und pries man ihre Schönheit. War ein Kleidungsstück gelungen, so hiessen es die Bailabaikal „gut verheiratet“. Der Mantel eines Schamanen hingegen wurde nach anderen Gesetzen, nämlich aus der Haut von drei frisch getöteten Tieren gefertigt: aus Salm-, Raben- und Fuchshaut. Hier und da klebte noch rosa Fleisch daran und der Nerv, mit dem man die Häute zusammennähte, war noch lebendig. Sie wurden derart grob zusammengefügt, derart gewalttätig und grausam genäht, dass sie leicht zerrissen oder auseinander gingen. Kaum hatte Drei-steinerne-Herzen das monströse Kleidungsstück übergezogen, da begann er auch schon wie ein Dämon zu tanzen. Der Mantel bog sich, bäumte sich auf und schüttelte ihn mit einer ungeheuren, unkontrollierbaren Kraft in alle Richtungen; mal warf er ihn in den Staub, mal erhob er ihn in die Lüfte und nötigte seine armen Glieder zu den sonderbarsten Verrenkungen von unbeschreiblicher Wildheit.


Jeder einzelne Geist, der in dem Mantel steckte, suchte seine Freiheit wiederzuerlangen, und dies umso heftiger, als sie alle in diesem Mantelstück an ihr Gegenteil gebunden waren. Das Fuchsfell sträubte sich vor rasender Wut, die Salmhaut sprang über unsichtbare Flüsse, während die Rabenflügel gleich schwarzen Blitzen voller Zorn die Luft schlugen.

bailabiakal - ein junge tanztEinen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang kämpfte der junge Schamane dergestalt; dann, im Morgengrauen des folgenden Tages, sank er zu Boden, über und über zerkratzt und zerbissen, glühend und sich schüttelnd im Fieber. Seine Seele war zerrissen, es schien, als habe sie sich aus seinem armseligen Körper gelöst. Tag für Tag und unter grössten Gefahren legte er nun den Mantel an, und es währte Jahre, bis er diesen all morgendlichen Kampf nicht mehr voller Angst unternahm. In der Zwischenzeit wuchsen seine Kräfte und er wurde Herr über sein Schicksal. Denn ihm, der mit zwei verschiedenen Augen zur Welt gekommen war, oblag es, die Gegensätze zu zähmen und das empfindliche System zwischen menschlicher und tierischer Ordnung im Gleichgewicht zu halten.

weiter