Das Bailabaikal - Land
François Place "Vom Land der Amazonen zu den Indigo - Inseln"

Schon bei seiner Geburt erschreckte Drei-steinerne-Herzen seine Mutter mit einem heiseren Schrei. Dann öffnete er erst ein dunkles, darauf ein helles Auge. Seine Mutter hielt sich, um ihr Entsetzen zu unterdrücken, die Hand vor den Mund. Am nächsten Tag wickelte sein Vater ihn sorgsam in ein dickes Fell und nahm ihn mit, um ihn erst in dem See mit dem klaren Wasser und hernach in dem See mit dem trüben Wasser zu taufen, wie es der Brauch für Kinder mit zwei verschiedenfarbenen Augen vorsieht. Es war ein friedlicher Herbsttag. In dem ruhigen Wasser spiegelte sich die Heiterkeit des Himmels, und selbst der Salzwassersee wurde nicht, wie sonst oft zu dieser Jahreszeit, von einem der plötzlichen geheimnisvollen Unwetter heimgesucht.
Schon bald begleitete der Junge seinen Vater auf die Jagd in den Weiten
des Schilfs. Im Alter von fünf Jahren schoss er mit schnellem und
sicherem Pfeil eine Ente im Flug. Er wuchs an Kräften und an Geschick,
und seine Umgebung bewunderte ihn, doch während sein helles Auge
unbeirrt zärtlich in die Welt blickte, beunruhigte das dunkle Auge,
das aussah, als sei es immerzu wütend, seine Eltern sehr. Mit sieben
Jahren musste er seine Familie verlassen, um seine Ausbildung bei dem
alten Schamanen Sanfter Wolf fortzusetzen, der auf halbem Wege zwischen
den bei den Seen in den Hügeln lebte. Der Junge folgte ihm auf die
nächtliche Jagd nach Lachkröten in den verschlammten Ufern des
klaren Sees und auf die ausgedehnten Expeditionen, die dieser unternahm,
um Heilkräuter zu sammeln. Er begleitete ihn bei seinen Besuchen
in die Dörfer, in denen man ihn vor grossen Ereignissen um seinen
Segen bat; er sprach mit ihm gemeinsam die Worte zum Schutze der Kanus
aus Schlangenhaut und er lernte die Gesänge - sowohl jene, mit denen
man die Krankheitsdämonen vertreibt, als auch jene, die von dem Volk
der zwei Seen, den Bailabaikal, erzählen.
